Michaela Krug: Wenn der Körper sagt, was die Seele will - Psychosomatik
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Körper und Seele

Wenn der Körper sagt, was die Seele will -> Psychosomatik

Psychosomatik ist die Lehre darüber, wie Körper und Seele sich gegenseitig beeinflussen. Leidet die Seele, so leidet oftmals auch der Körper.

Körperliche, psychische und soziale Prozesse stehen in Verbindung zueinander und haben direkte Auswirkung auf unsere Gesundheit, aber natürlich auch auf Krankheit.

Dass Körper und Seele zusammenhängen, ist schon sehr lange bekannt. Wir kennen doch alle die Redewendungen: „ein Problem bereitet Kopfzerbrechen“, „etwas geht uns an die Nieren oder unter die Haut“, „man nimmt sich etwas zu Herzen“, „etwas liegt schwer im Magen“ oder „da hat man etwas am Hals“ usw….

Nur wenn in unserem Leben alle Bereiche im Gleichgewicht sind, werden wir auch außergewöhnlichen Belastungen gewachsen sein. Nur wenn wir alle Bereiche beachten, können wir einen Weg in die Gesundheit finden. Wenn es der Seele gut geht, geht es auch dem Körper gut.

Psychosomatik bedeutet umgekehrt nicht: Wer körperlich gesund ist, ist auch automatisch seelisch gesund.

Wissenschaftlich steht fest, dass psychische Belastungen zu körperlichen Störungen führen können. Es gibt viele verschiedene Auslöser für eine psychosomatische Erkrankung. Die wohl häufigsten sind:

  • beruflicher Stress, zum Beispiel Spannungen zu Mitarbeitern oder Vorgesetzten oder ständige Überforderung durch eine zu große Arbeitsmenge, manchmal auch Unterforderung
  • Lebenskrisen, wie zum Beispiel der Tod eines nahen Angehörigen oder Ehekrisen
  • Depression
  • schwierige Lebensumstände, wie zum Beispiel finanzielle Probleme
  • innere Konflikte aus der Kindheit, die nie gelöst wurden

Hier einige Beispiele für psychosomatische Erkrankungen:

Tinnitus
Das Gefühl, „zu viel um die Ohren“ zu haben, kann sich durch lästige Ohrgeräusche bemerkbar machen. Klingeln, Summen, Pfeifen, Brummen, Dröhnen, Knacken, Klopfen oder Zischen können dauerhaft oder sporadisch wahrgenommen werden. Bei den meisten Betroffenen verschwinden die Störgeräusche nach kurzer Zeit wieder. Doch wenn sie über Wochen oder gar ständig bleiben, können sie Schlafstörungen, Depressionen, Angstzustände, Konzentrationsstörungen zur Folge haben. Für Tinnitus gibt es viele Ursachen. Unter anderem können neben Erkrankungen des Innenohrs, Mittelohrs und Gehörgangs auch Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen oder Fehlstellungen des Kiefers Gründe sein. Ebenso tritt Tinnitus als unerwünschte Nebenwirkung bestimmter Medikamente auf. Die häufigsten Verursacher sind jedoch Lärm und Stress.

Reizdarm-Syndrom
Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen und Verstopfung können über mehrere Monate andauern. Für die gestörte Funktion des Verdauungstraktes können nicht nur vorausgegangene Erkrankungen wie Allergien oder eine bakterielle Darminfektion verantwortlich sein, sondern auch Medikamente, Abwehrschwäche und falsche Ernährung. Gefördert wird das Reizdarm-Syndrom durch Stress und psychische Konflikte.

Reizblase
Die primäre Reizblase gilt als funktionelle Störung, da es typischerweise nicht zu einer Erkrankung der Harnblase kommt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Ständiger Harndrang und häufige Entleerung kleiner Harnmengen, meist ohne Schmerzen, deuten auf eine Reizblase hin. Die häufigsten Auslöser sind emotionaler Stress, Partnerprobleme und andere Belastungssituationen. Es kann ein Teufelskreis aus einer erhöhten Fixierung der Aufmerksamkeit auf die Harnblase entstehen: Den Betroffenen ist bewusst, dass sie in emotional belastenden Situationen mit einem verstärkten Harndrang reagieren, weshalb sie ihre Aufmerksamkeit immer mehr auf die Blase lenken. Als Folge davon steigt die vegetative Erregung an, woraufhin tatsächlich ein verstärkter Harndrang einsetzt.

Herz-Angst-Neurosen
Wenn das Herz rast, stolpert, stockt oder kurz auszusetzen scheint, dann steigt die Angst, einen Herzinfarkt oder eine unheilbare Herzkrankheit zu haben. Können organische Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden, dann spricht man von Herz-Angst-Neurosen. Ursachen dafür sind Stress, Wut und Angst. Patienten mit Herz-Angst-Neurosen neigen dazu, aus Angst vor einem drohenden Herzinfarkt alle körperlichen Anstrengungen zu meiden, die körperliche Fitness nimmt dadurch ab. Selbst beim einfachen Treppensteigen kann es in der Folge zu Herzklopfen kommen. Und diese mutmaßlichen Herzbeschwerden vergrößern wiederum die Angst. Ein Teufelskreis entsteht.

Chronische Schmerzen
Dauert ein Schmerz länger als sechs Monate wird er als Dauerschmerz bezeichnet. Dieser hat oft psychische Ursachen und kann den ganzen Körper betreffen. Besonders häufig treten Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen auf. Bei Stress wird die Muskulatur krampfhaft angespannt, es kommt zu einem erhöhten Muskeltonus. Dadurch ermüdet die Muskulatur schneller, die Folge sind Verhärtungen, Verspannungen und Schmerzen.

Psychogener Juckreiz
Menschen, die unter psychogenem Juckreiz leiden, sind innerlich sehr angespannt, können aber ihre Emotionen nicht äußern. Juckreizattacken treten meist kurz vor dem Einschlafen, bei Langeweile oder Ärger oder auch bei geistiger Anspannung auf. Häufig wird der Juckreiz beim Übergang von Anspannung zur Ruhe wahrgenommen. Aber auch ohne Juckreiz ist exzessives Kratzen Ausdruck eines emotionalen Spannungszustands und wird als „nervöses Kratzen“ bezeichnet.

Essstörungen
Magersucht (Anorexie), Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Bulimarexie (Esssucht mit anschließender Einnahme von Appetitzüglern, Abführ- und Entwässerungsmitteln) und das Binge-Eating-Syndrom (Essanfälle ohne Erbrechen) sind psychisch bedingte Formen der Essstörung. Magersüchtige empfinden sich als zu dick, halten strenge Diät oder verweigern die Nahrung vollständig. Sie treiben zusätzlich exzessiv Sport und nehmen in lebensbedrohlichem Ausmaß ab. Hinter der Magersucht stecken oft der Wunsch nach Selbstbestimmung und eine gestörte Körperwahrnehmung. Darunter leiden auch Bulimiker und Menschen mit Bulimarexie. Sie nehmen in kurzer Zeit Unmengen von Nahrung zu sich und versuchen diese danach durch selbst herbeigeführtes Erbrechen oder dem Missbrauch von Appetitzüglern und Abführmitteln wieder loszuwerden. Mögliche Folgen sind Karies, Mangelerscheinungen, Magen-Darm-Beschwerden und Schädigungen der Speiseröhre. Als Ursachen gelten seelische und familiäre Belastungen. Bei Essanfällen ohne Erbrechen entstehen Übergewicht oder Fettsucht (Adipositas). Das kann Folgeerkrankungen wie beispielsweise Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen nach sich ziehen.

Wie kann man aber mit psychosomatischen Herausforderungen umgehen?
Es gibt natürlich individuell sehr verschiedene Möglichkeiten, wie Betroffene ihre Herausforderungen meistern können. Hier einige Tipps, die sich immer wieder bewährt haben:

  • Wenn deine Seele deinen Körper negativ beeinflussen kann, dann funktioniert dasselbe auch umgekehrt. Du kannst dich also auch positiv beeinflussen! Deine Gedanken gestalten deine Gefühle und deine Gefühle beeinflussen deine Körperzellen. Deshalb ist positives Denken an dieser Stelle so enorm hilfreich. Unternimm Dinge, die dir Freude bereiten, lies positive Bücher, schau lustige Filme, lerne dich zu entspannen und behandele dich besonders liebevoll!
  • Hör auf deinen Körper, versuch zu verstehen, was er dir sagen will. Dein Bauchgefühl wird dich leiten. Hinterfrage deine Symptome. Was machen sie mit dir? Lähmen sie dich? Zwingen sie dich ins Bett? Verlangen sie absolute Ruhe und Dunkelheit? Könnte dies bedeuten, dass dir grundsätzlich häufiger eine Pause gönnen solltest?
  • Sei nicht länger auf deinen Körper und die Krankheit wütend. Wut und Frust bestärken die Symptome. Versuch diese Gefühle loszulassen. Das ist zunächst nicht leicht, kann aber erlernt werden. „Wie unterdrückte Gefühle Krankheiten erzeugen“: der Psychologe Robert Betz erklärt hier kurz die Zusammenhänge – sehenswert!
  • Lass dich nicht verurteilen! Nur weil jemand nicht psychosomatisch krank ist, heißt das nicht, dass bei ihm alles ok ist. Kein „Nicht-Betroffener“ kann beurteilen, wie warum und wieso deine psychosomatische Erkrankung entstanden ist, also lass dir bloß nicht einreden, dass du dir das nur einbildest.
  • Such dir fachliche Hilfe. Such dir Menschen, denen du vertraust und die dich weiterbringen können. Egal ob Arzt, Coach, Trainer, Therapeut…. Hauptsache, du fühlst dich damit gut.

Ich wünsche uns allen maximale Gesundheit und allen von psychosomatischen Erkrankungen Betroffenen gute Unterstützung und postive Kraft und Stärke, um den Weg in die Gesundheit wieder zu finden.