Zuckersucht - gibt es das überhaupt? - Michaela Krug
Menu Close

Zuckersucht - gibt es das überhaupt?

Zuckersucht kann jeden treffen. Viele wissen gar nichts von ihrer Sucht. Der tägliche Verzehr von Zucker, Weizen, Süßigkeiten, Desserts, Kuchen, süßen Teilchen und gesüßten Getränken ist ja heute ganz normal. Viele Menschen spüren aber bereits, wie der Zuckerkonsum sie krank macht. Karies und Übergewicht sind nur der Anfang. Zucker schadet allen Organen. Entsprechend vielfältig sind die Folgen von krankhaftem Zuckerkonsum.
Was tun, wenn man zuckersüchtig ist? Und wie kann es überhaupt so weit kommen?
Zuckersucht

Unsere Nahrungsmittel unterscheiden sich heutzutage grundlegend von denen unserer Vorfahren. Wir konsumieren Kohlenhydrate aus Auszugsmehl und haufenweise Produkte mit zugesetztem („unsichtbarem“) Zucker. Wer liest schon genau die Zutatenlisten auf den Etiketten der Produkte?
Um künftig beim Einkaufen besser vorbereitet zu sein, können Sie sich hier eine Liste der Verbraucherzentrale mit den verschiedenen Bezeichnungen für „Zucker“ herunterladen. 
Zur groben Orientierung lässt sich sagen, dass Begriffe, die auf Fruchtsüße, Sirup, Saft oder Malz hinweisen oder auf „-ose“ enden, zusätzlicher Zucker und Süße bedeuten.
Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe haben weniger bis keine Kalorien und wirken sich weniger auf den Blutzuckerspiegel aus. Da der Geschmack „süß“ aber einen zumindest psychologischen Effekt auf uns hat (Trostpflaster, Stressminderer, Belohnung, etc), empfehle ich, möglichst wenig davon zu verwenden.

Zucker macht süchtig!
Das glauben Sie nicht?
Sind Sie schon einmal um Mitternacht zur Tankstelle gefahren, um sich mit Süßigkeiten einzudecken?
Kennen Sie das Gefühl, an nichts anderes mehr denken zu können als an etwas Süßes?
Ist es bei Ihnen auch so, dass Sie sich ein Mittagessen ohne Dessert nicht mehr vorstellen können?
Werden auch Sie gelegentlich von unheimlichem Heißhunger auf Süßes heimgesucht, gefolgt von nicht weniger unheimlichen Fressattacken?

Der Zuckersüchtige verhält sich häufig nicht viel anders als ein Raucher, der dringend eine Zigarette braucht oder ein Alkoholiker, der ohne sein abendliches Fläschchen Wein ungehalten wird.

Zucker ist eine Droge!
Natürlich nicht offiziell, denn dann dürfte er nicht mehr in unsere Lebensmittel gemischt werden. Er dürfte nicht mehr an Kinder verkauft werden und er müsste einen Warnhinweis tragen, wie etwa

  • Zucker macht sehr schnell abhängig. Fangen Sie gar nicht erst an!

  • Zucker zerstört Ihre Darmflora, schwächt damit Ihr Immunsystem und macht Sie anfällig für Krankheiten aller Art!

  • Zucker ruiniert Ihre Zähne und macht dick!

  • Zucker kann tödlich sein, da er die Entstehung von Herzerkrankungen, Diabetes Typ 2 und Krebs fördert!

  • Zucker kann hyperaktiv, aber auch depressiv machen!

  • Zucker kann Angstzustände auslösen!

  • Zucker kann zu Schlafstörungen führen!

  • Zucker kann unreine Haut verursachen und Akne verstärken!

Das würde die Lebensmittelindustrie nicht mit sich machen lassen, die unbewusst Zuckersüchtigen würde es nicht im Geringsten beeindrucken und wer seine Zuckersucht erkannt haben sollte, wüsste immer noch nicht, wie er sich von ihr lösen könnte.

Sie betrifft das nicht?

Dann führen Sie doch mal ganz entspannt folgendes Experiment durch: 
Streichen Sie ab sofort jeden Zucker aus Ihrem Leben – und zwar drei Wochen lang.
  
   – keine Schokolade Zuckersucht
   – keine Bonbons
   – keine Schokoriegel
   – keine Nuss-Nougat-Creme
   – keine Marmelade
   – keine süßen Teilchen
   – keinen Kuchen
   – keine Kekse
   – keine gesüßten Getränke
   – kein Ketchup (ca. 1,5 Stck. Zucker pro EL)
   – kein Eis
   – kein Brot (richtig gelesen!)
   – denken Sie auch an den versteckten Zucker und meiden Sie ihn!

Das bedeutet auch: keine gesüßten Müslis, keine gesüßten Frühstücksflocken, keine gesüßten Fruchtjoghurts oder andere gesüßte Milchprodukte und keine probiotischen Joghurts, wenn dort Zucker enthalten ist.

Keine Ausnahmen!

Sie haben alle Zuckervorräte verbannt? Und alle zuckerhaltigen Lebensmittel, die noch in Ihrer Küche waren, verschenkt? Super, dann lesen Sie doch in …
3 Tagen weiter…

1 Tag später: Sie sind ja schon wieder hier?? Warum so übellaunig? Sie fühlen sich überfordert? Sie haben Ihre Kinder grundlos angebrüllt? Sie können sich nicht konzentrieren? Sie finden diese Ohne-Zucker-Aktion inzwischen total bescheuert? Sie möchten jetzt sofort ein Schokolädchen? Aber zuckersüchtig sind Sie nicht? Dann bis übermorgen…

2 weitere Tage später: Wie geht es Ihnen? Drei Tage ohne Zucker! Gratulation! Eine tolle Leistung! Wie bitte? Sie können das Wort „Zucker“ nicht mehr hören ohne handgreiflich zu werden? Ihr Mann/Ihre Frau droht bereits mit Trennung, wenn Sie nicht endlich wieder Zucker essen und „normal“ werden? Sie haben wieder mit dem Rauchen angefangen? Sie können das Haus nicht mehr verlassen, weil Sie in jedem Laden, in jedem Café, in jedem Kiosk, ja an jeder Straßenecke Süßes sehen und dafür inzwischen einen Mord begehen würden? Sie haben sich nicht mehr unter Kontrolle?
Vielleicht sind Sie doch zuckersüchtig? Keine Sorge, Sie sind nicht allein! Zuckersucht ist ein häufiges Phänomen. Die Zuckersucht zeigt sich darin,

  • dass zuckerhaltige Produkte einen wichtigen Stellenwert im täglichen Tagesablauf haben!

  • dass man sich ohne Zucker sowohl körperlich als auch psychisch nicht wohl fühlt!

  • dass man sich ohne Zucker nicht konzentrieren kann, nicht leistungsfähig ist!

  • dass man verstärkt auf andere Drogen (Zigaretten, Alkohol, Koffein) zurückgreift, wenn man versucht, ohne Zucker auszukommen!

  • dass man eventuell ein oder zwei zuckerfreie Tage übersteht, dann jedoch einen Rückfall erleidet und schließlich mehr Süßes isst als je zuvor!

Sollten Sie inzwischen mehr als 4 Tage durchgehalten haben….. Jackpot! Sie haben das Schlimmste hinter sich.

Zucker wird leider verharmlost und gilt als ganz normales Lebensmittel. Die Zuckersucht wird daher nicht als eine solche (an)erkannt. Erkennen Zuckersüchtige ihr Problem jedoch selbst, werden sie in den allermeisten Fällen nicht ernst genommen. Während kein Mensch zu einem trockenen Alkoholiker sagen würde: „komm schon, ein Gläschen wird doch wohl nicht schaden“, müssen sich Ex-Zuckersüchtige oder Zuckersüchtige im Entzug immer wieder anhören: „das bisschen Zucker wird dich schon nicht umbringen“.

Doch wird es! Weil es bei der Zuckersucht eben NICHT bei einem Bisschen bleiben wird und weil der tägliche Verzehr von größeren Mengen Zucker langfristige gesundheitliche Schäden mit sich bringen kann, die dazu führen, dass das Leben – so spaßig es auch mit all den Schnuckereien möglicherweise war – plötzlich überhaupt nicht mehr lebenswert ist.

Die Ursachen

Damit eine Sucht entstehen kann, braucht es einen Stoff, der süchtig machen kann (Alkohol, Nikotin oder eben Zucker) und gleichzeitig ein suchtanfälliges Gehirn. Bei einer Sucht ist das Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen im Gehirn gestört – nämlich vor allem zwischen Serotonin und Dopamin.
Süchtiges Verhalten kann besonders dann entstehen, wenn der Serotoninspiegel zu niedrig und der Dopaminspiegel gleichzeitig zu hoch ist oder wenn beide Botenstoffe in zu geringen Konzentrationen vorhanden sind.
Zuckersucht entsteht im Gehirn. Dopamin ist ein körpereigener Botenstoff, der im Gehirn dann ausgeschüttet wird, wenn wir kribbelig vor Vorfreude sind, etwa vor einem Date, vor einem Wettkampf oder vor einem erhofften Erfolgserlebnis.
Dopamin verschafft uns den nötigen Antrieb und auch die geistige Klarheit, damit wir Gas geben, um das ersehnte Ziel möglichst rasch zu erreichen. Tritt der Erfolg ein, wird ein anderer Botenstoff ausgeschüttet: Serotonin.
Serotonin vermittelt das Gefühl von Befriedigung und Entspannung. Das Ziel ist erreicht. Wir sind glücklich und zufrieden.

Umgekehrt führt ein Dopaminmangel zu Antriebsschwäche und Lustlosigkeit. Ein Serotoninmangel hingegen macht ängstlich, unzufrieden und zickig. Instinktiv greifen wir in solchen Mangelsituationen nach den uns bekannten Drogen.
Der eine steckt sich eine Zigarette an, der andere kippt ein Schnäpschen und der dritte vertilgt eine Tafel Schokolade. Warum ist das so?

Zucker täuscht Glück vor

Drogen erhöhen den Dopamin- und Serotoninspiegel – und zwar ohne dass wir etwas geschafft oder erlebt hätten. Drogen machen glücklich und entspannt. Sie gaukeln dem Menschen vor, er habe sich gerade eben ein großartiges Ziel erkämpft und es schließlich auch wohlverdient erreicht.
Zucker wirkt wie Alkohol und Nikotin. Zucker erhöht den Dopamin- und Serotoninspiegel. Zucker ist folglich ein Stoff, der süchtig machen kann.

Schwankungen des Blutzuckerspiegels

Heißhunger auf Süßes muss nicht unbedingt auf eine echte Zuckersucht hinweisen, sondern kann auch die Folge von Schwankungen des Blutzuckerspiegels sein – was deutlich einfacher zu beheben wäre als die echte Zuckersucht, nämlich mit Hilfe einer vollwertigen Ernährung und regelmäßigen Essenszeiten.

Bei einer vollwertigen Ernährung auf der Basis von naturbelassenen Lebensmitteln und ohne isolierte Kohlenhydrate, kann sich der Blutzuckerspiegel normalerweise einwandfrei selbst regulieren. Mit einem ausgeglichenen Blutzuckerspiegel fühlt man sich ausgeglichen und satt. Man kann sich konzentrieren und ist leistungsfähig – auch wenn einmal eine Mahlzeit ausfällt.
Zucker führt schnell zu Unterzuckerung. Bei einer Ernährung, die auf isolierten Kohlenhydraten basiert, können die viel zu hohen Zuckermengen, die ohne bremsende Ballaststoffe und ohne anderweitige Begleitstoffe (Mikronährstoffe, Wasser) im Körper landen, dazu führen, dass die Bauchspeicheldrüse „vor Schreck“ über all den Zucker viel zu viel Insulin ausschüttet.
Große Insulinmengen führen dazu, dass viel zu viel Glucose aus dem Blut in die Zellen befördert wird. Der Blutzuckerspiegel sinkt jetzt zu tief, so dass es innerhalb kurzer Zeit zu einer Unterzuckerung kommt.
Unterzuckerung verursacht Heißhunger auf…. ja genau:  Zucker! Eine Unterzuckerung muss jedoch nicht immer so akut sein, dass sie sich gleich in Form von Herzklopfen, rasendem Puls und Ohnmachtsanfällen zeigt. Sehr viel typischer für eine Unterzuckerung sind Heißhungerattacken, aber auch Nervosität, Konzentrationsstörungen, Aggressivität, Gereiztheit und plötzliche Stimmungsschwankungen.
Isst man jetzt das Falsche, also z. B. einen Schokoriegel oder ein süßes Teilchen oder trinkt man ein gesüßtes Getränk, läuft man Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten. Kurzzeitig steigt der Blutzuckerspiegel und ein scheinbares Wohlgefühl tritt ein. Durch den Zucker steigt der Blutzuckerspiegel aber wieder viel zu hoch, so dass erneut zu viel Insulin ausgeschüttet wird. Und schon ist die nächste Unterzuckerphase und mit ihr der nächste Zucker-Fressanfall in Sicht. Das macht obendrein dick!

Seelische Gründe

Essen und ganz besonders süßes Essen wird oft zur Beruhigung, zum Trost oder zur Belohnung eingesetzt. Das betrifft vor allem Menschen, die bereits in ihrer Kindheit mit süßem Essen getröstet, beruhigt oder belohnt wurden.
Hier gilt es also zu lernen, wie man sich Beruhigung, Trost und Selbstbelohnung auf einer anderen Ebene verschaffen kann. Eine Ernährungsumstellung kann das unterstützen.

Darmpilze

Darmpilze (meist Candida albicans) ernähren sich bevorzugt von Zucker. Normalerweise leben auch in einer gesunden Darmflora Darmpilze, doch werden sie von den nützlichen Darmbakterien in Schach gehalten, so dass sie sich nicht übermäßig vermehren und daher keine Probleme bereiten. Isst jemand jedoch reichlich zuckerhaltige Nahrungsmittel, dann erhalten die Darmpilze so viel Nahrung und Energie, dass sie sich explosionsartig vermehren und die Darmflora vollkommen aus dem Gleichgewicht bringen.
Je grösser die Darmpilzpopulation wird, umso grösser ist deren Hunger auf Zucker. Diese Zuckergier überträgt sich umgehend auf den betreffenden Menschen, so dass dieser einen extremen Heißhunger auf Süßes entwickelt und – ohne dass er weiß warum – Unmengen Schokolade oder riesige Spaghettiberge verdrücken „muss“.
Darmpilze führen jedoch nicht nur zu Heißhungerattacken, sondern auch zu anderen Symptomen, wie z. B. Blähungen, Blähbauch und Bauchschmerzen.
Hier ist eine Ernährungsumstellung mit einer Entgiftung und der „Sanierung“ der Darmflora sinnvoll.

Der Ausstieg aus der Zuckersucht

Sie sind also zuckersüchtig und verspüren den Wunsch, endlich „drogenfrei“zu leben, dann helfen Ihnen die folgenden Maßnahmen beim Ausstieg aus der Zuckersucht:

  • tauschen Sie Ungesundes gegen Gesundes aus!

  • gestalten Sie Ihre Hauptmahlzeiten so, dass sie den Appetit auf Zucker nicht noch verstärken (wie das z.B. bei stark gewürzten und Glutamat haltigen Mahlzeiten der Fall ist)!

  • vermeiden Sie Blutzuckerschwankungen!

  • versorgen Sie Ihren Körper mit allen essentiellen Vitalstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe, Omega3, usw.)!

Zusammenfassung:

Unser hoher Zuckerkonsum – damit sind auch andere „leere“ Kohlenhydrate gemeint – bei gleichzeitigem Fehlen von ausreichend Mikronähstoffen in unserer Ernährung hat zur Folge, dass unser Blutzuckerspiegel  unnatürlich schnell und hoch ansteigt, um danach umso rasanter wieder abzufallen. Unsere Bauchspeicheldrüse, die das benötigte Insulin zur Verstoffwechselung des Zuckers produzieren muss, wird so zum Hochleistungsorgan.

Der schnell sinkende Blutzuckerspiegel ist aber für unser Gehirn der Reiz, endlich wieder Essen anzufordern. So beginnt der Teufelskreis und unsere Fettdepots werden ungesund gefüllt.

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben bis zum Ende durchgehalten. Benötigen Sie Hilfe beim Ausstieg aus Ihrer Zuckersucht?

Sprechen Sie mich an. Gemeinsam finden wir heraus, was für Sie der beste Weg ist.